MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Die wunderbare Welt des Roul

Text Johannes Reichl
Ausgabe 11/2021

Roul Starka sitzt entspannt auf einem Bankerl, die Sonne kitzelt im Gesicht, ringsum neigen sich mächtige Bäume herunter und die Vogerl zwitschern fröhlich vor sich hin – ein idyllisches Bild … mitten am Friedhof.

Zufällig haben wir den vermeintlich morbiden Treffpunkt natürlich nicht gewählt, hat der St. Pöltner Autor doch im Auftrag der Stadt quasi „Literatur über den gesamten Hauptfriedhof verteilt“. Zum einen kann man seine 21 Baumgeschichten an der südseitigen Friedhofs-Innenmauer nachlesen, zum anderen finden sich auf 21 Tafeln über den ganzen Friedhof verstreut Starkas „Vogelgeschichten“, die im Frühjahr entstanden sind. Die Idee dahinter ist, den Friedhof nicht nur in seiner Funktion als „Gedenkraum“ wahrzunehmen, „sondern schlicht als Ort der Ruhe, der Natur, des Verweilens. Die Geschichten sollen dazu beitragen, dass man sich hier wohl fühlt, seinen Gedanken nachhängen kann“, verrät der Autor.
Einigende Klammer der jeweils gleich langen Miniaturen ist dabei zunächst die Örtlichkeit an sich, das heißt es wurden ausschließlich Bäume und Vögel literarisch „verarbeitet“, die auch am St. Pöltner Hauptfriedhof zu finden sind, „wobei es erstaunlich ist, wie reichhaltig sich die Flora und Fauna hier darstellt.“ Eine weitere Vorgabe war, Wissenswertes über die besungenen Bäume und Vögel zu vermitteln, wobei sich Starka selbstredend nicht im rein Lexikalischen wie Gefieder & Co. verhedderte, sondern sich im typischen Starka-Assoziationsstil von seiner eigenen Inspiration geradezu hinwegtragen ließ oder, wie er es formuliert, hinein gelauscht hat „was die Bäume, was die Vögel erzählen! Die Bäume reden ja etwas leise aber stetig, so dass du sie überall hörst.“ Und zwar nicht nur, wie man sich das romantisiert vorstellen würde in unmittelbarer „Betroffenheit“ der Friedhofsnatur, sondern im Falle Starkas durchaus vor allem vorm heimischen Computer, wo die Baum- und Vogelgeschichten geradezu aus ihm herausflossen. Diese erzählen auch viel über „sein“ St. Pölten, rücken teils vergessene Orte, Menschen, Geschichten in Erinnerung, wenn wir etwa am ehemaligen Eislaufplatz zur Melodie von „ I’d Love You To Want Me“ von Lobo Schlittschuh laufen, über FALCO beim Hauptstadtfest hinwegflattern, beim Hofer in der Mariazellerstraße das brachial-indigene „Zweite Kassa bitte“ hören oder von der Stutzi-Oma erfahren, die in der Birkengasse die Äste geschnitten hat. Spätestens da wird klar, dass wir auch mitten in die wunderbare Welt des Roul abgetaucht sind, der sein dichterisches Credo in „Berg Ahorn“ festgehalten hat. „Später wurde er Dichter und verhielt sich wie ein echter Indianer: vorsichtig, zuhörend, geduldig. Und wenn er nicht weiter wusste, fragte er uns, die Bäume, die Pflanzen. Dann hörte er auf zu suchen, und die Wege fanden ihn.“
Oder mitunter auch die Vögel. So erzählt Starka von einer für ihn geradezu mystischen Begebenheit: „Als ich heuer vom Urlaub nachhause gekommen bin, waren im Postkastl plötzlich vier Eier, wo ein Vogerl gebrütet hat – ich leb dort seit sieben Jahren, das ist vorher noch nie passiert!“ Sind die Vögel dem Ruf des Vogel-Dichters gefolgt? Wer weiß – am städtischen Hauptfriedhof kann man jedenfalls des Dichters Ruf gleich auf mittlerweile 42 Tafeln folgen, allesamt mit Roul Starka unterfertigt, „was mir sehr gut gefällt“, schmunzelt der Autor. Uns auch!


RUNDGANG
Mit Roul Starka am Hauptfriedhof.Der nächste Termin wird auf der Seite www.stpoeltentourismus.at bekannt gegeben sowie auf Facebook unter Roul Starka.