Fehlersuche
Text
Michael Müllner
Ausgabe
02/2026
Die Wahl ist geschlagen, Matthias Stadler wird mit seiner SPÖ weitere fünf Jahre die Zukunft der Stadt gestalten. Das ist richtig so, denn die Sozialdemokratie ist weiterhin klar die stimmenstärkste Partei der Stadt. Dennoch war das Wahlergebnis eine klare Botschaft an den Langzeitbürgermeister, dass in den letzten Jahren einiges schief gegangen ist.
Warum die SPÖ nach Jahrzehnten die Absolute verlor? Die geschockten Roten bemühten den ominösen „Bundestrend“: Andreas Babler und die Bundesregierung seien „keine Hilfe“ gewesen. Zudem habe die böse Opposition die Stadt „schlechtgeredet“. Das mag ebenso beigetragen haben wie die Demographie: Jahr für Jahr stirbt der SPÖ ein Teil ihrer überalterten Wählerschaft weg. Aber: Seit Jahrzehnten macht die Stadler-SPÖ, was sie für richtig hält. Die relevanten Gründe muss sie also vorrangig bei sich selbst suchen.
Mit den Grünen hat Stadler sein kleinstes Problem an Bord geholt. Die Öko-Partei scheiterte an zentralen Versprechen (S34, REWE) und wird ihre Rolle als Juniorpartner erst finden müssen. Immerhin hatten sie aus der Oppositionsrolle heraus in der letzten Periode konstruktiv-kritische Sachpolitik gefordert. Das ist schon mehr, als man von anderen behaupten kann. Regiert die neue Rathausmehrheit transparenter, bindet sie andere Meinungen ein und nimmt die Probleme der Bevölkerung ernst, kann diese Koalition funktionieren. Andernfalls brauchen die rechten Parteien bloß abwarten. Denn schon jetzt ist die Rot-Grüne-Mehrheit – um es mit dem Bundespräsidenten zu sagen – arschknapp.



