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Stören PV-Anlagen in der Innenstadt das Ortsbild?


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Stören PV-Anlagen in der Innenstadt das Ortsbild?

Text Georg Renner , Thomas Winkelmüller
Ausgabe 06/2026
Georg Renner 
Der Wilhelmsburger ist freier Journalist und betreibt den Podcast „Ist das wichtig?“.

Ortsbildschönheit ist immer ein Kompromiss zwischen Ästhetik und Nützlichkeit.

Für die „haha, St. Pölten, igitt“-Fraktion fernab der Landeshauptstadt (ja, es gibt sie noch immer; nein, sie ist noch immer nicht lustig) mag es ein Treppenwitz gewesen sein, als der Verfassungsgerichtshof unlängst erkannt hat, dass die Schönheit der Innenstadt hier nicht ausreicht, um Solarpaneele pauschal zu verbieten. So weit würde ich nie gehen: Ich finde die Innenstadt wunderbar – aber trotzdem finde ich es großartig, dass schon bald auch hier (hoffentlich) zahlreiche PV-Anlagen sprießen werden.
Das liegt nicht nur daran, dass ich ästhetisch kein Problem mit den Dingern habe; genau wie ihre großen Cousinen, die Windräder draußen vor der Stadt, sind PV-Module für mich ein Ausdruck moderner Technologie, Innovationskraft, von Weltmärkten und günstiger, sauberer Energie. Kurz gesagt: Einfach schön! 
Aber das ist gar nicht so sehr der Grund, warum ich finde, dass PV-Module überall dorthin gehören, wo Menschen sind – der liegt in einfacher Pragmatik.
Erstens: Essenziell für die Energiewende sind möglichst kurze Distanzen zwischen Produzenten und Verbrauchern. Die Krux der Umstellung auf Erneuerbare sind bekanntlich Netze und Speicher – und beides braucht es dann viel weniger, wenn gleich dort verbraucht wird, wo der Strom erzeugt wird. In der City werden immer Verbraucher da sein.
Zweitens, wenn man PV-Module wirklich hässlich fände: Wie kommen dann die Leute anderswo dazu, diesen Anblick zu ertragen, während er den Stadtmenschen erspart bleiben sollte? Schon allein aus rechtlichen Gründen – die elende Konsensfindung in Mehrparteienhäusern – wird es  in der Stadt eh immer weniger Module geben als draußen. Aber jeder sollte seinen Beitrag leisten können.
Drittens: Ortsbildschönheit ist immer ein Kompromiss zwischen Ästhetik und Nützlichkeit. Genauso, wie wir uns als Gesellschaft entschieden haben, Autos viel und mäßig schönen (hust, Europaplatz, hust) Raum zu geben, werden wir das auch für unsere Energieinfrastruktur tun können. 
Auch und gerade im schönen St. Pölten. 

Jakob Winter 
Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Digitalchef beim „profil“.

PIMBYS an die Macht!

Kennen Sie NIMBYs? Das ist eine Abkürzung für Menschen, die zwar grundsätzlich für etwas sind, solange es nicht vor ihrer eigenen Haustür passiert. „Not in my backyard“ lautet deren Devise. Sie haben nichts gegen Windräder und Solaranlagen. Aber sie sollen halt bitte woanders errichtet werden.
Von diesen NIMBYs gibt es in Österreich eine ganze Menge. Das ist ärgerlich, denn sie torpedieren ein ums andere Projekt. Noch problematischer wird es aber, wenn die Verhinderer nicht am Stammtisch sitzen, sondern in Behörden und Regierungsbüros.
Die Stadt St. Pölten hatte einer Bürgerin die Errichtung einer PV-Anlage in der Innenstadt mit Verweis auf den Denkmalschutz verweigert. Bisher durften diese nicht errichtet werden, wenn sie von öffentlichem Grund aus sichtbar gewesen wären. Der Verfassungsgerichtshof stellte nun klar, dass dieses Totalverbot so nicht haltbar ist. St. Pölten lockerte seine Regeln, andere Gemeinden könnten folgen.
Gut so. Denn aktuell werden erneuerbare Energien in Österreich eher als Störfaktor gesehen. Windräder würden die Landschaft „verschandeln“. Solarpaneele historische Gebäude „verunstalten“.
Mit diesen Ängsten wird auch Politik gemacht: In Ober­österreich hat die schwarz-blaue Landesregierung große Teile des Bundeslands faktisch zur Windkraft-Verbotszone erklärt. In Kärnten verfolgt SPÖ-Landeshauptmann Daniel Fellner einen ähnlichen Kurs. Ergebnis: Der Ausbau stockt.
Dabei wäre eine andere Perspektive viel naheliegender: jede Umdrehung eines Windrads und jeder Sonnenstrahl auf eine PV-Anlage sorgen dafür, dass Österreich unabhängiger wird von Scheichs und Diktatoren – und widerstandsfähiger gegenüber Energiepreissprüngen in der Zukunft.
Doch wie so oft schreien die Gegner neuer Technologien lauter als die Befürworter. Das lässt sich ändern, wie der Fall einer mutigen St. Pöltnerin zeigt. Vielleicht wird es ja doch noch was mit der Energiewende. Wenn PIMBYs wie sie gegen veraltete Denkmuster aufbegehren und sagen: Please, in my backyard!